Die Künstler
Moritz Ernst, geboren 1986, widmet einen Großteil seiner Karriere als Konzertpianist und Cembalist der Förderung zeitgenössischer und vernachlässigter Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Nach seinen Studien in Detmold, London und Basel erwarb er sich schnell einen hervorragenden Ruf, sowohl auf den weltweiten Konzertbühnen, als auch im Aufnahmestudio. Er hat mit führenden Komponisten unserer Zeit wie Sandeep Bhagwati, Wolfgang Rihm, Detlef Heusinger, Miklos Maros oder Raymond Deane zusammengearbeitet.
Moritz Ernst‘ Diskografie umfasst die gesamten Klavierwerke von Viktor Ullmann, Norbert von Hannenheim, Arthur Lourié, Hans Erich Apostel und Karel Reiner sowie Werke von Walter Braunfels, Joseph Haydn und dem irisch-amerikanischen Komponisten Swan Hennessy. Moritz Ernst trat mit führenden Orchestern wie dem Sinfonieorchester Bern, dem Singapore Symphony Orchestra oder der Deutschen Radiophilharmonie, sowie mit führenden Dirigenten wie Mario Venzago, Stephan Blunier und Gabriel Feltz auf. Moritz Ernst arbeitete zudem als Herausgeber für Verlage wie Schott und Boosey & Hawkes.
Das Ensemble Athena ist aus dem bis 2012 bestehenden Athena Quartett hervorgegangen, welches weit über zehn Jahre im internationalen Konzertleben tätig war. Die Musikerinnen wurden vom Alban Berg Quartett ausgebildet und erhielten weitere wichtige Impulse von den ungarischen Musikerlegenden Ferenc Rados und György Kurtág. Sie waren Preisträgerinnen des internationalen Concours de Genève und gewannen den Kammermusikwettbewerb Joseph Joachim in Weimar.
Im Mittelpunkt stand die intensive Pflege des klassisch - romantischen Konzertrepertoires in seiner gesamten Bandbreite von Haydn, Mozart und Beethoven über Mendessohn, Schubert, Brahms, Schumann bis hin zu Ravel und Schostakowitsch - um nur einige wenige Komponisten zu nennen. Auch unternahmen die Künstlerinnen kreative genreübergreifende Ausflüge in den Jazz Bereich.
Daneben arbeiteten sie direkt mit Schöpfern zeitgenössischer Werke zusammen. So ergaben sich wunderbare musikalische Kooperationen mit bedeutenden Tondichtern unserer Zeit wie Henri Dutilleux, Hans Zender, Pascal Dusapin und vielen anderen. Herausragend und von der Presse hoch gelobt ist dabei die Gesamtaufnahme aller Werke für Streichquartett des Komponisten György Kurtág, für die das Streichquartett mit dem Diapason d’or ausgezeichnet wurde.
Auf dem Höhepunkt des Erfolges zwangen private Lebensumstände die Musikerinnen im Jahr 2012 zur Auflösung des Quartetts.
Eine musikalische Wiederbegegnung im Jahr 2019, die nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Musikerinnen bewegend war, führte zum Wunsch, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Da sich eine der Musikerinnen aus dem aktiven Konzertleben zurückziehen wollte, kam es 2023 zur Wiederbesinnung auf eine ursprüngliche Idee, die Saskia Viersen und Kathrin Inbal – Bogensberger schon vor der Gründung des Quartetts gehabt hatten: ein Ensemble zu formieren, welches in variablen Besetzungen musiziert.
Der Reiz dieses offenen Konzepts liegt darin, mit einem neuen, spannenden und vielfältigen Repertoire das interessierte Publikum zu begeistern und noch ungehobene musikalische Schätze zu bergen. Die Namenspatronin des früheren Streichquartetts und jetzigen Ensembles Athena, wird als Göttin der Weisheit, der Strategie, des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit diese neue Herausforderung sicherlich wohlwollend begleiten.
Inga Schäfer ist seit Beginn der Spielzeit 2017/18 Ensemblemitglied am Theater Freiburg. Dort debütierte sie u.a. als Mélisande (PELLÉAS UND MÉLISANDE), Donna Elvira (DON GIOVANNI), Miss Jessel (TURN OF THE SCREW), Dido (DIDO UND AENEAS), Fuchs (DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN), Licida (L’OLIMPIADE), Hänsel (HÄNSEL UND GRETEL), Fremde Fürstin (RUSALKA) sowie in den Titelpartien der Uraufführung ESCAPE (Wang / Cheng) und der europäischen Erstaufführung von MARNIE (Muhly) und THE HANDMAIDS TALE (Rouders).
Gesangsunterricht erhielt sie bei Dorothee Wohlgemuth und im Studium bei Prof. R.Robins. Sie studierte zunächst Lehramt Musik mit Hauptfach Viola (1. Staatsexamen), dann Gesangspädagogik (Diplom) und Gesang (B.Mus./M.Mus), wechselte 2014 an das Opernelitestudio des Theaters Lübeck und sammelte in zahlreichen Gastengagements (Theater Hagen, Dortmund, Magdeburg, Düsseldorf) Bühnenerfahrung. Sie wurde u.a. mit dem Folkwangpreis für Darstellung, dem Förderpreis des Anneliese Rothenberg Wettbewerbs und dem Preis für Neue Musik beim Bundeswettbewerb Berlin ausgezeichnet.
2016/17 war sie Mitglied des SWR-Vokalensembles und vertiefte ihr Interesse an der Neuen Musik anschließend durch ein Masterstudium bei Prof. Angelika Luz.
Überdies ist sie begeisterte Kammermusikerin und engagiert sich in der Alten Musik. Seit 2021 sang sie u.a. mit der lautten compagney BERLIN die Titelpartien DIDO, FETONTE und ARIODANTE (Händelfestspiele Halle digital), sowie RUGGIERO (Alcina).
Die Altistin Noa Frenkel ist eine äußerst wandlungsfähige Künstlerin, die in Werken aller Epochen zu Hause ist, sich aber besonders in zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht hat.
Noa Frenkel hat zahlreiche Werke uraufgeführt, darunter Saunders' Us Dead Talk Love bei den DonaueschingerMusiktagen und Luigi Nonos Guai ai gelidi mostri mit dem Remix Ensemble. Sie tritt regelmäßig bei großen Festivals in ganz Europa mit renommierten Ensembles wie dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien, dem Ensemble Intercontemporain, der MusikFabrik, dem SWR Experimentalstudio und den Israeli Contemporary Players auf.
Zu jüngsten Opernengagements gehören die Uraufführungen von Rebecca Saunders‘ Lash an der Deutschen Oper Berlin,Ein Ermordeter aus Warschau mit Novoflot beim Kunstfest Weimar sowie anschließend beim Musikfestival Bern, WDR Funkhaus Köln und Theater im Delphi Berlin, Shall I build a dam? von Kai Kobayashi (Münchener Biennale und DOB), Chaya Czernowins Pnima (Staatstheater Darmstadt), Welcome To Paradise Lost von Jörn Arnecke und Falk Richter (DNT Weimar), Thierry Pécous Until the Lions (Opéra national du Rhin) und Johannes Kalitzkes Kapitän Nemos Bibliothek(Schwetzinger und Bregenzer Festspiele).
Detlef Heusinger (*1956 in Frankfurt am Main) studierte Komposition, Dirigieren, Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie sowie Gitarre, Laute und Klavier an den Musikhochschulen in Bremen, Köln und Freiburg sowie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Lehrer waren u.a. Hans Werner Henze, Luigi Nono, Klaus Huber (Komposition), Francis Travis (Dirigieren) und Hubert Käppel (Gitarre).
Für seine kompositorische Tätigkeit erhielt er zahlreiche Preise, wie z.B. die Musikpreise der Städte Bremen undStuttgart, den Wilfried Steinbrenner Preis und Stipendien wie das der Villa Massimo (Rom), der Cité des Arts (Paris), des Künstlerhauses Worpswede, der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWF (Freiburg) und das Baldreit Stipendium (Baden-Baden).
Er unterrichtete von 1990 bis 1996 an der Musikhochschule in Bremen. Als Gastdozent war er an der Musikuniversität Wien, der Harvard University, der Goldsmith University und der Université de Montreal tätig.
Von 1991 an arbeitet er auch als Regisseur sowie zeitweise als Leiter des Rossini-Festivals auf Rügen und inszeniert in Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen und der Schweiz Opern von Händel, Heusinger, Rossini, Donizetti, Saint-Saëns, Offenbach und Britten.
Als Produzent und Filmregisseur von »Pandora I&II« gestaltete er 1993 seine erste VideoOper für Radio Bremen, der 2001 »Sintflut« für die Donaueschinger Musiktage (SWR) folgte. 2022 wie 2023 folgte bei den SchlosslichtspielenKarlsruhe die »ODE«.
Von 2006 bis 2022 war er künstlerischer Leiter des SWR Experimentalstudios, wo er in dieser Zeit die matrix-Akademie gegründete und zusammen mit Peter Weibel denGiga-Hertz-Preis initiierte und verantwortete.
Als Dirigent verantwortete er eine Vielzahl von Ur-Aufführungen von Dániel Péter Biró, Chaya Czernowin bis Vito Zuraj. Opernaufführungen dirigierte er am Freiburger Theater (UAs von Ying Wang und Huihui Cheng) und am Staatstheater Karlsruhe. Seit 2009 ist Heusinger Leiter des von ihm gegründeten ENSEMBLE EXPERIMENTAL, mit welchem er in Europa, Nord- und Südamerika mehr als 100 Aufführungen realisierte. Mit der Ersteinspielung von Luigi Nonos »Risonanze Erranti« für das Label NEOS wurde das Ensemble 2011 mit dem deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet.
Im Zentrum seiner kompositorischen Arbeit stehen die Musiktheaterwerke »DER TURM« (1989, Theater Bremen/RB), »BABYLON« (1997, Schwetzinger Festspiele, Nationaltheater Mannheim/SWR), »LULU (Alban Berg – 3. Akt)« (2019, Theater Bremen), »JUKEBOXOPERA« (2021, Theater Freiburg/SWR) sowie Tanztheaterstücke wie »MATERIALERMÜDUNG« (1989, Stuttgarter Ballett) und »VOLX MUZAK« (1993, Schauspielhaus Bochum, Reinhild-Hoffmann-Compagnie). 2022 folgte bei den Bregenzer Festspielen die Familienoper »ZEITREISEMASCHINE« und 2024 bei den Händelfestspielen Karlsruhe sein Oratorium »FOUNDLINGHOUSE«.
Als Komponist und Dirigent war er bei so unterschiedlichen Festivals wie Ars Electronica (Österreich), Berliner Festwochen, Borealis Festival (Norwegen), Darmstädter Ferienkurse, Donaueschinger Musiktage, KLANG-Festival Kopenhagen, musica nova Helsinki, Roma Europa Festival (Italien), SALT Festival Kanada und Warschauer Herbst engagiert. Als E-Gitarrist konzertierte er als Solist u. a. mit dem hr-Sinfonieorchester. Als Klangregisseur hatte er Auftritte bei den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, dem TIME:SPANS Festival NY wie in der Royal Albert Hall mit Dirigenten wie François-Xavier Roth und dem Hamburger Michel mit Kent Nagano.
Zu den Interpreten seiner Kompositionen gehören u.a. das Arditti Quartett, das Auryn Quartett, das Ensemble Modern, das Ensemble Resonanz, das Ensemble Dal Niente, die Israel Contemporary Players, das hr-Orchester, das ORF-Orchester, das DSO Berlin und die SWR Sinfonieorchester. (Foto: Anja Thölking)